ZEITZEUGE IN KEMPTEN

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Am 28.06.2007 hielt Hermann Hirschberger, der bei der Association of Jewish Refugees in London für den Bereich "Kindertransport" zuständig ist, einen Vortrag über seine Kindheit im 3. Reich, seine Flucht nach England 1939 und das Schicksal seiner Eltern.

Da unter "Veranstaltungen" bereits eine Zusammenfassung der bisherigen Kindertransportveranstaltungen bei uns zu finden ist, hier nun ein paar Fotos und Kommentare der Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule und der Studierenden der Fachakademie.

"Der Vortrag war für mich sehr interessant. Ich hatte zuvor noch nie von den Kindertransporten gehört und umso eindrucksvoller war es für mich, von dieser besonders traurigen Facette des Holocausts durch ein echtes "Kind" zu erfahren. Besonders schätzte ich an Herrn Hirschbergers Vortrag seine offene, trotz aller Tragik sehr humorvolle Art zu erzählen, frei von jeder pauschalisierenden Schuldzuweisung und gerade deshalb ein bewegender Denkanstoß für die junge Generation."

"Da viele eventuell noch nie etwas über den Kindertransport, der an Schulen nicht erwähnt wird, gehört haben, war es interessant, von einem "Kind" solche detaillierten Erzählungen zu hören. Man hat zwar den Film "Into the Arms of Strangers" gesehen, aber dies von einer betroffenen Person zu hören, ist ein extremer Unterschied."

"Zwar hat unsere Generation nichts mehr mit den schrecklichen Taten der Nazis zu tun, doch finde ich es gut und v.a. wichtig, uns daran zu erinnern. Nur wenn man uns und auch den nächsten Generationen vor Augen führt, zu was der Mensch – noch vor kurzer Zeit – imstande war, dann können wir solch abscheuliche Massaker verhindern. Was die Kindertransporte angeht, so ist es natürlich toll, dass es doch noch einigen Menschen gelungen ist, aus Deutschland zu fliehen. Doch dann ohne die eigenen Eltern aufzuwachsen, ist hart und prägt ein solches Kind ein Leben lang." (Toni Stiegler)

"Ich finde es sehr bewundernswert, dass ein Mensch, der so viel Schreckliches als Kind erlebt hat, so offen und ruhig darüber sprechen kann – mir persönlich würden die quälenden Erinnerungen zu sehr wehtun. Trotzdem würde ich gerne noch ein allgemeines Wort zu diesem Thema sagen: Ehrlich gesagt kommt es mir so vor, als würde einem als deutschem Staatsbürger ständig vor Augen geführt, was unsere Vorfahren verbrochen haben. Natürlich war das alles ein Akt der Grausamkeit, wie man ihn selten erlebt hat, trotzdem kann man nicht uns die Schuld dafür geben. In Amerika z.B. wurden auch schlimme Dinge mit den Schwarzen angestellt, trotzdem ist Amerika für seinen Patriotismus bekannt. Ich bin garantiert nicht rechts orientiert, aber ich finde, man könnte einen gesunden Umgang mit dem Thema erlernen." (Georgina Henner)

"Es war sehr interessant, wie Herr Hirschberger den Verlauf des Kindertransport schilderte, denn ich persönlich habe davon noch nicht soviel gewusst wie vom Rest des 2. Weltkriegs. Er verstand es auch sehr gut, seinen Vortrag immer wieder mit amüsanten Anekdoten aufzulockern, so z.B. dass er in England von den Mädchen seiner Klasse zum Vice Captain gewählt wurde. Es fasziniert mich auch, dass er heute sogar über manche Sachen schmunzeln kann. Ebenfalls beeindruckt mich, dass er auch nach diesen schrecklichen Erlebnissen immer wieder nach Deutschland zurückkehren kann." (Julia Birker)

Den Vortrag über die Flucht tausender jüdischer Kinder in eine neue und fremde Welt fand ich äußerst interessant und bewegend. Besonders fasziniert hat mich der Umstand, dass Herr Hirschberger seine eigenen Qualen und Ängste teilweise humorvoll darstellte. Mich hat es gefreut, solch einem Menschen zuhören zu dürfen, da doch die Darstellung eines Zeitzeugens jeden noch so guten Dokumentarfilm in den Schatten stellt."

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"Ich fand den Vortrag sehr interessant und bewegend. Allerdings werden wir ständig mit diesem Thema konfrontiert. Seien es Filme, Zeitungsberichte oder Menschen, die einen darauf ansprechen, weil man aus Deutschland kommt. Es tut mir furchtbar leid, was passiert ist und es ist und wird immer unverständlich bleiben, aber nach und nach fühlt man sich dadurch minderwertig gegenüber anderen Nationen, obwohl diese auch nicht immer alles richtig gemacht haben, wie z.B. Amerika mit den Schwarzen oder Großbritannien mit seinen Kolonien. Trotzdem haben diese Nationen ihren Stolz, aber uns gibt man keine Gelegenheit dazu." (Jana Sabrowski)

"Es war überraschend, dass Herr Hirschberger trotz allem, was er erlebt hat, heute so eine positive Art und Ausstrahlung hat. Er differenziert auch genau zwischen dem Deutschland von damals und heute. Außerdem war es interessant, neben den Fakten auch einmal einen Einblick in das Gefühlsleben der Menschen, die so unter Hitler leiden mussten, zu bekommen."

"Es ist kaum vorstellbar, welche Erfahrungen Herr Hirschberger schon als kleiner Junge machen musste, wie er – nur weil er Jude ist – beschimpft und physisch, aber vor allem auch psychisch verletzt wurde. Es war berührend, wie er schilderte, dass er seine Eltern am Bahnhof das letzte Mal sah, und diese dann grausam ermordet wurden." (Diana Schmid)

"Es muss sehr schwer für die Eltern gewesen sein, sich zu entscheiden, ob sie ihre Kinder wegschicken sollen und es vielleicht nie mehr wieder sehen, aber ihnen eine gute Zukunft geben, oder sie in Deutschland zu behalten und zu riskieren, dass die Kinder sterben müssen." (Matthias Horwath)

"Die Geste, seine Kinder wegzugeben, mit dem Wissen, sie wahrscheinlich nie wiederzusehen, nur damit es ihnen besser geht als einem selbst, hat mich zutiefst beeindruckt, Die Frage, ob man selbst als betroffene Eltern so handeln würde, schoss wohl jedem Zuhörer durch den Kopf." (Theresa Kinzer)

"Beeindruckt hat mich, dass Herr Hirschberger Deutschland gegenüber nicht verbittert ist, obwohl er allen Grund dazu hätte, da ihn die deutsche Politik damals nach England trieb. Ich finde es gut, dass Herr Hirschberger solch engagierte "Aufklärungsarbeit" über ein Kapitel des 2. Weltkriegs betreibt, das anscheinend oft vergessen wird!" (Elisabeth Mayr)

"Obwohl Herrn Hirschbergers Erfahrungen traurig waren, hatte man am Ende nicht das deprimierende schlechtes-Gewissen-Gefühl, das man nach Holocaust-Vorträgen häufig hat." (Birgitt Böck)

"Ich war von dem Vortrag sehr begeistert und zugleich sehr erschüttert, wie viel Leid die Menschen ertragen mussten bzw. konnten. Kein Buch oder Lehrer kann die Vergangenheit so gut lehren wie ein Zeitzeuge." (Ruben Jäger)

"Für die Zukunft und für weitere Schüler, die diese Schule besuchen werden, sollte auch die Möglichkeit bestehen (solange es die Überlebenden noch gibt), den Zeitzeugen begegnen zu dürfen, um mehr darüber zu erfahren und somit die damalige Situation besser zu verstehen." (Vincenzo Piccigallo)

"Ich habe Filme darüber in der Schule gesehen, Leute, die über ihre schrecklichen Erlebnisse erzählt haben, doch sie haben mich nie so bewegt wie dieser Vortrag. Ich bewundere Herrn Hirschberger sehr, seinen Elan, den er trotz seiner 81 Jahre noch ausstrahlt, und dass er trotz dieser schrecklichen Dinge kein gebrochener Mann ist, sondern anderen von seinen Erlebnissen berichtet und zeigt, was Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit anrichten kann." (Franziska Hartinger)

"Für mich wurde der psychologische Aspekt dieser Epoche wieder sehr eindrücklich wachgerufen: wie so eine Massendynamik entsteht und es vorher einfach nicht vorstellbar war, wohin es führen wird. Es ist gut, immer wieder an den Holocaust erinnert zu werden. Gleichzeitig leben wir jetzt in einer Zeit, in der die gleichen Gräueltaten und dasselbe "Wegsehen" jeden Tag auf dem ganzen Globus geschehen. Ich denke, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen."

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