BA ERFAHRUNGSBERICHT

EINSEMESTRIGES AUFBAUSTUDIUM FÜR EINEN BACHELOR-ABSCHLUSS

 

Als uns im dritten Jahr an der Fachakademie die Möglichkeit vorgestellt wurde, nach der staatlichen Prüfung in relativ kurzer Zeit noch einen akademischen Abschluss zu erwerben, stand ich dem Unter fangen zunächst etwas zwiespältig gegenüber. Natürlich war dies eine verlockende Gelegenheit, doch anfangs zweifelte ich noch, ob mir der Bachelorabschluss tatsächlich etwas für mich und meinen beruflichen Werdegang bringt, oder ob es letztendlich verschwendete Zeit und Geld ist. Dennoch entschloss ich mich nach reiflicher Überlegung und "Überzeugungsarbeit" seitens Frau Dr. Guske, es zu wagen.

So standen also begleitend zum regulären Unterricht Vorbereitungskurse an. Zu Anfang wurde uns erklärt, wie man an eine solche Bachelorarbeit überhaupt herangeht, von der Themenfindung über Gliederung und Zeit planung hin zum eigentlichen Schreiben. Die folgenden Teile der Vorbereitungskurse drehten sich um (Text-)Linguistik, Translationswissenschaft, Dolmetschwissenschaft, Terminologie und Fachsprachen – eine wahre Informationsflut, insbesondere deshalb, da wir bisher über die theoretische Herange- hensweise an das Übersetzen kaum Bescheid wussten und die meisten von uns auch ganz unbedarft in die Vorbereitungskurse hineingegangen waren. So war vieles, was uns in dieser Zeit an Wissen vermittelt wurde, zunächst einmal verwirrend. Allerdings ließen sich auch die letzten Unklarheiten leicht durch Beschäftigung mit entsprechender Fachliteratur beheben und als dann im September die schriftliche Prüfung anstand, war klar, dass alles halb so schlimm war, wie wir befürchtet hatten. Wenn der Stoff verstanden worden war, ließen sich die meisten Fragen mit Grundwissen gepaart mit gesundem Menschenverstand beantworten.

 BA-Prasentation-Spiegel

 

Nach der schriftlichen Prüfung konnte man sich intensiv der eigentlichen Arbeit, dem Schreiben der Bachelorarbeit, widmen. So hieß es erst einmal sehr viel lesen, um einen Überblick über die bisherige Theoriediskussion zu den Themenbereichen der Arbeit zu gewinnen. Als sehr praktisch erwies sich, dass bei mir ein Teil der Theorie dem Stoff für die schriftliche Prüfung entsprach. Im nächsten Schritt stand eine grobe Gliederung der Arbeit an. Diese diente als Wegweiser für das Schreiben, musste aber an manchen Stellen immer wieder angepasst werden, als plötzlich ein Teil des Gelesenen doch mehr Sinn ergab, als anfangs vermutet und sich als brauchbar erwies. Als die Gliederung der Arbeit feststand und auch der Großteil des Inhalts in Stichpunkten vorlag, war es kein Problem das Ganze in Reinform zu bringen – jeder Versuch das Gelesene direkt als Fließtext auszuformulieren scheiterte allerdings kläglich. Wichtig beim Schreiben war vor allem, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, also das, was man letztlich mit der Arbeit beweisen oder aussagen möchte. Denn oft stößt man bei der Recherche auf Fakten, die zwar interessant sind und die man gerne einbringen möchte, doch die eigentlich am Thema vorbeiführen.

Natürlich steht man beim Verfassen einer solchen Arbeit nicht allein da. Der Betreuer/Die Betreuerin, in meinem Fall Frau Dr. Guske, unterstützt einen von der Themenfindung an bis hin zur mündlichen Prüfung, der Verteidigung der Bachelorarbeit. Bei ihm/ihr kann man sich vergewissern, dass man mit einer These oder Argumentation den richtigen Ansatz verfolgt und sich nicht völlig auf dem Holzweg befindet. Allein anhand der groben Gliederung lässt sich beispielsweise oft schon ablesen, ob der "rote Faden" vorhanden ist und an welchen Stellen noch Änderungsbedarf besteht, oder wo eventuell Probleme auftreten könnten. Egal ob Fragen zur Methodik, zum Zitieren, zum Inhalt oder ganz allgemein zum Ablauf bestehen, hilft es ungemein, die Unsicherheiten abzubauen, wenn jemand bestätigt, dass die bisherige Arbeit in Ordnung ist oder eben Verbesserungsvorschläge macht.

Als endlich die Arbeit geschrieben war, standen verschiedene Korrekturlesedurchgänge an: Sind Übergänge vorhanden, ist die Arbeit in sich stimmig oder ergibt etwas, das während des Schreibens noch völlig logisch aussah, nun keinen Sinn mehr? Sind noch Rechtschreib- oder Grammatikfehler enthalten? Wurde überall die gleiche Zitierweise angewandt, stimmen die Angaben? Sind die Forma tierungen überall gleich?

Und irgendwann, nachdem man monatelang an der Arbeit gesessen hat, hält man sie gebunden in den Händen und kann sie den Korrektoren übergeben. Dann heißt es abwarten, bis der Bescheid zur Verteidigung der Bachelorarbeit kommt. Im Rahmen der einstündigen mündlichen Prüfung muss zu nächst eine Powerpointpräsentation gehalten werden, um die Arbeit vorzustellen und im Anschluss gilt es dann die Fragen der Prüfer zu beantworten und die Arbeit zu verteidigen.

Das Fazit also: Den Bachelorabschluss auf diesem Weg zu erlangen, ist ein ganzes Stück Arbeit, aber es lohnt sich und ist auf jeden Fall gut machbar. Wichtig ist vor allem, dass das Thema, das man wählt einen persönlich interessiert, denn dann ist die Motivation größer und es macht auch Spaß, sich den ganzen neuen Stoff zu erarbeiten. Das Theoriewissen und auch das Methodenwissen, das man sich in dieser Zeit aneignet, sind nicht nur für die Bachelorarbeit brauchbar, sondern helfen auch, beim Übersetzen Entscheidungen zu treffen und diese Entscheidungen zu begründen. Ob der Titel "Bachelor Übersetzen" mir beruflich etwas bringt, muss sich erst noch herausstellen; persönlich hat mich die Arbeit auf den Bachelorabschluss hin auf jeden Fall weitergebracht.

Alexandra Spiegel

 

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